Norwegen IV

Norwegen IV

Es bleiben 2/3

Mit dem Anlegen der Fähre in Bognes beginnt für uns wieder ein neuer Abschnitt unserer Norwegenreise. Wir haben das nördliche und raue Drittel der norwegischen Küste hinter uns ``gebracht`` und begeben uns nun an die südlichen 2/3 der so endlos erscheinenden Norwegenküste. Nachdem wir die Fähre verlassen haben suchen wir uns gleich auf den ersten Kilometern einen Platz für eine kleine ``Pause``, denn unsere Köpfe sind ``leicht`` überfordert. Die letzten Wochen haben unsere Vorstellungskraft bei Weitem überschritten und besonders der Abschnitt der Lofoten war eine eigene Welt für sich! Wir fühlen uns also so ein klein wenig, wie wenn man einen wunderschönen Film gesehen hat und sich anschließend erst nochmal setzen und sammeln muss, um wirklich zu verstehen was da jetzt alles passiert ist.

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Endorphine

Nur ist es in diesem Fall kein Film sondern sehr viele, mit allen Sinnesorganen wahrgenommene, Erlebnisse die uns Beiden wirklich unter die Haut gegangen sind. Wir sind daher etwas besorgt in den kommenden Tagen in eine art ``Loch`` zu stürzen, sollte uns nun ein ``Defizit`` an Erlebnissen und Abenteuer widerfahren. Doch ganz weit gefehlt, es geht mindestens genauso spektakulär weiter wie es mit den Lofoten geendet hat und schon am ersten Abend zurück auf dem Festland werden unsere Endorphine auf ein neues ``Allzeithoch?`` katapultiert!

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Luftsprünge

Denn es ist endlich soweit… Der Fisch von dem ich immer geträumt hab, an diesem Abend zappelt er an meiner Angel. Wir erreichen also am späten Nachmittag einen wunderschönen, einsamen Spot der am Ende eines malerisch gelegenen Fjordes liegt und gleich zu Beginn schon einen äußerst guten Eidruck zum Angeln macht. Anfangs noch etwas unmotiviert zum Fischen, hat sich die Lage nach wenigen Minuten zum kompletten Gegenteil gewandelt. Meine Angel biegt sich ordentlich durch, an einem Ende steh ich mit einem großen Grinsen und evtl. auch etwas Anspannung im Gesicht, am andern Ende jedoch ein deutlich angespannterer Fisch, der immer wieder sein Terrain verlässt und ca. 1 Meter aus dem Wasser springt. 

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Auch ohne Kescher ...

Anfänglich kann ich die Größe des Fisches in der Distanz noch schwer einschätzen, doch je näher ich das Tier zu mir "herankämpfe``, desto mehr stelle ich fest, dass es sich definitiv um den größten Fisch handelt, den ich je gefangen hab. Das komplette Ausmaß wird mir jedoch erst bewusst nachdem ich ihn ins flache Wasser gezogen hab und dann mit bloßen Händen aus dem kalten Nass gehoben hab. Das Gewicht schätzungsweise um die 8 Kg und gut über 90 cm lang. Das Beste an der ganzen Geschichte…? Es ist ein Lachs. Für diesen Abend sind die Lofoten also schonmal ``vergessen``, ein absoluter Lebenstraum wird Realität und wir sind wiedermal aufs Neue überwältigt von Norwegen.

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Værivassfossen

Nachdem ich wohl die ganze Nacht vom ``Mega-Fang`` geträumt hab, geht’s am neuen Tag mit gefüllten Lachsvorräten weiter hinab der bildschönen norwegischen Küste. Weit kommen wir allerdings nicht, eine Wanderung hat wiedermal unser Interesse geweckt und wenig später stehen wir schon am Einstieg der knapp 12 Kilometer langen Tour namens Værivassfossen. Nach knapp drei Stunden erreichen wir das eigentliche Ziel der Wanderung und zugleich auch den Namensgeber der Tour. Den 223 Meter hohen Wasserfall, der mit einer schmalen Brücke überspannt ist, von wo aus man einen (wiedermal) atemberaubenden Ausblick genießt. Auch Tag zwei (nach den Lofoten) überzeugt uns komplett und wir müssen uns spätestens nach dieser Wanderung damit abfinden, dass Norwegen uns wohl weiterhin mit Erlebnissen überfluten wird.

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Sternekoch !

Eine weitere Reizüberflutung findet dann beim Abendessen statt. Wir verköstigen das erste Drittel und damit knapp 2 Kilogramm des gestrig gefangenen Lachs, den wir bei Niedertemperatur im Backofen mit Zitrone zubereiten. Mit Worten zu beschreiben wie dieser Lachs schmeckt überschreitet meine literarischen Fähigkeiten bei weitem. Was wir sagen können ist, es hat definitiv nichts zu tun mit jedem anderen Stück Fisch/Lachs den wir je auf dem Teller hatten. Das Fleisch ist so unfassbar gut und selbst im Rohzustand schon so zart, dass sich danach wohl jeder Sternekoch die Finger lecken würde. Als wären die zwei Kilogramm Fisch nicht schon genug, zaubert Alex zum Dessert noch Süßkartoffelbrownies, die sich innerhalb von Sekunden zu unserem neuen ``Lieblingsdessert`` entwickeln. Zuckerfrei und komplett auf Gemüsebasis sind sie eine gesunde Alternative zu den herkömmlichen ``Schokobrownies``, passen somit perfekt in unsere Ernährungsphilosophie und schmecken uns ehrlich gesagt sogar besser als die überzuckerte Variante. 

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Einfrieren

Achja als wäre es wiedermal nicht genug für diesen Tag, kaum gehen bei uns im Bus die Lichter aus gehen draußen die (Nord-) Lichter an. Wir wissen also wiedermal nicht wohin mit unseren Glücksgefühlen, am liebsten würden wir sie wie die restlichen 4 Kilo Lachs einfrieren und zu gegebenem Zeitpunkt wieder auftauen und genießen. Da im Gefrierer jedoch ohnehin kein Platz mehr ist vor lauter Lachs, genießen wir die tanzenden Lichter noch für eine Weile und schlafen dann einfach ein.

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Wasser, viel Wasser ...

Neuer Tag, neue Abenteuer. Heute wartet keine 10 Kilometer entfernt von unserem Übernachtungsort ein wirklich einzigartiges Naturphänomen auf uns, namentlich der Saltstraumen. Es ist der stärkste Gezeitenstrom der Welt, hier strömen knapp 400 000 000 (400 Mio.) Kubikmeter Wasser innerhalb einer Gezeiten-Taktung (ca. 7 Std.) durch einen 150 Meter breiten Sund. Zur Einordnung dieser Menge, der Fluss Rhein fördert am Tag (24 Std.) durchschnittlich knapp 200 Mio. Kubikmeter, also nichtmal die Hälfte der Wassermenge die der Saltstraumen innerhalb einer Gezeit fördert! Mit bis zu 40 Km/h strömen die unvorstellbaren Wassermassen in das Innere Saltfjord und erzeugen dabei Strudel mit Durchmessern von bis zu 10 Metern. Erreichten die Gezeiten ihren jeweiligen Hoch- / Tiefpunkt kommt das Wasser für knappe 15 Minuten zur Ruhe bevor die Wassermassen ihre Richtung ändern, um dann wieder in die entgegengesetzte Richtung zu strömen. 

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Saltstraumen

Ein wirklich beeindruckendes Naturschauspiel, dass wir uns selbstverständlich nicht entgehen lassen können. Zudem gilt der Saltstraumen als einzigartiges Angelrevier, denn der Gezeitenstrom lockt große Meeresfische in gigantischen Schwärmen an und so können von On-Shore (von Land aus) Fische gefangen werden, die sonst nur auf hoher See (Off-Shore) zu finden sind. Entlang des Sunds stehen also unzählige Angler und jeder versucht sein Glück auf den großen Fang, so natürlich auch ich. Denn hier sollen tatsächlich auch Seelachse mit über 20 Kg Gewicht keine Seltenheit sein, doch an diesem Tag ist das Anglerglück definitiv nicht auf meiner Seite. 

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Versenkt

Um mich herum zieht nahezu jeder Angler einen Kabeljau in der Größe meines 8 Kg Lachses aus den Strömungen, doch selbst nach fünf Stunden angeln will keines der Tiere bei mir am Haken anbeißen. Stattdessen versenk ich noch einen meiner Köder in den Tiefen des Fjordes und damit hab ich dann auch genug für diesen Tag. Leicht frustriert und nicht bester Stimmung verlassen wir gegen Nachmittag also diesen wahnsinnig spektakulären Ort, der ja eigentlich auch ein absolutes Anglerparadies ist, nur nicht für mich an diesem Tag. Wirklich schlecht drauf kann ich jedoch trotzdem nicht sein, denn auf unserer einstündigen Fahrt am Nachmittag bekommen wir wieder das wilde und wunderschöne Norwegen zu Gesicht. 

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Helgelandskysten

Nicht umsonst beginnt bei Saltstraumen eine weitere der 18 Landschaftsrouten, die den Namen Helgelandskysten trägt und mit einer Länge von 433 Kilometern, der mit Abstand längste Scenic-Drive ist. Die ersten wunderschönen Abschnitte lassen nicht lange auf sich warten und auch unser Übernachtungsort in Storvika ist wiedermal wie aus einer Postkarte geschnitten. So endet dieser (fischfreie) Tag dann doch noch auf eine erfolgreiche Art und Weise und wir sind schon gespannt was die kommenden Kilometer der Helgelandskysten für uns bereithalten. 

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Traumtag

Aufwachen mit Sonnenschein und strahlend blauem Himmel, auch wenn die Nächte zunehmend frischer werden und wir mittlerweile ohne Heizung nichtmehr auskommen, so entschädigen diese sonnenreichen Tage in dieser Landschaft mit all den Erlebnissen für einiges. Um nur einige Highlights dieses Tages zu nennen, aufwachen in Storvika (Bild oben), Zwischenstopp an der Raststätte Ureddplassen, sowie einige Kilometer später mit dem Ausblick auf den zweitgrößten Gletscher von Norwegens (Svartisen), Übersetzen mit der Fähre von Forøy nach Ågskardet, Abendsport bei untergehender Sonne an einer der schönsten Stellplätze mit sensationeller Aussicht. 

Storvika

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Ureddplassen

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Gletscher 

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Traumausblick am Abend

Lichterspiel

Achja und kaum sitzen wir bei selbstgemachter Pizza und Süßkartoffelbrownies, beginnen draußen wiedermal die Nordlichter zu leuchten, unschwer nachzuvollziehen, dass uns Norwegen komplett den Kopf verdreht hat.

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Mo i Rana

Dieses Norwegen-Abenteur kennt einfach keine Grenzen und wir sind jeden Tag aufs neue begeistert, jedoch stehen hin und wieder auch einige ``Pflichten`` an. So erledigen wir nach dem vollgepackten Erlebnis-Tag von gestern, heute eher einige To-Do´s und fahren dafür in die Stadt die den (wie ich find) sensationellen Namen ``Mo i Rana`` trägt. Unser Weg führt uns an diesem Tag über zwei Fährverbindungen und endet am Abend an einem abgelegenen Spot nahe dem Elsfjord, hier gibt’s zur Feier des Tages dann ein weiteres knapp 2-Kilo-Stück des selbstgefangenen Lachs und dann gehen die Lichter aus.

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- 5

Eine frische Nacht liegt hinter uns und auch wenn es im Bus angenehm warm ist, so verrät der Blick über die gefrorenen Wiesen und Wälder an diesem Morgen, dass der Winter näher rückt. Selbst unser Wassertank ist bei diesen nächtlichen -5 Grad gefroren und an der nahgelegnen Felswand hängen Eiszapfen. Zeit um weiterzufahren und Kilometer in Richtung Süden zu machen, weit kommen wir wiedermal nicht. Die Abfahrtszeiten der nächsten Fähre machen uns einen kleinen Strich durch die Rechnung und ``zwingen`` uns auf den nächsten Kilometern etwas länger zu verweilen. Wir erkundigen uns beim Frühstück also kurzerhand was es für Wanderungen in der Umgebung gibt und werden schnell fündig, die Bergkette der Sieben-Schwestern liegt nur einige Kilometer entfernt und hat zahlreiche Wanderangebote die nur so von Empfehlungen strotzen. 

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7 Schwestern

Der Tagesplan ist also schnell umgeschrieben und wir entschließen uns eine der Wanderungen auf einen 900 Meter hohen Gipfel zu wagen. Diese ist mit fünf Stunden ausgeschrieben und bei blauem Himmel und Sonnenschein wiedermal genau das Richtige für uns, unterwegs erweitern wie die Tour dann noch um ein paar Kilometer und so stehen am Ende des Tages 16 Kilometer in sieben Stunden zu Buche. Highlight neben den tollen Wanderabschnitten ist definitiv der Ausblick den wir vom 900 Meter hohen Gipfel haben. Der Abstieg ist aufgrund des gefrorenen Bodens und größerer Eisflächen dann nochmal eine ordentliche Herausforderung und so sind wir gut platt als wir mit einbrechender Dunkelheit zurück am Bus ankommen. Mit der Fähre wurde es an diesem Tag nichtsmehr, stattdessen gibts aber eine ordentliche Portion Pasta, die uns wieder zu Kräften kommen lässt.

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Ciao Arktis

Nach der Übernachtung in Tjøtta sind wir an diesem Sonntagmorgen nur 100 Meter von der Fähre entfernt und können direkt die erste Fahrt wahrnehmen. Die Fahrt ist mit über einer Stunde die zeitintensivste der Landschaftsroute Helgelandskysten und führt zudem über den 66. Breitengrad, der auch als Arctic-Circle bekannt ist. Nach über einem Monat verlassen wir also an diesem Tag die ``Arktis`` wieder und freuen uns auf wärmere Temperaturen. Eine durchaus schöne Illusion, aber selbstverständlich herrschen auch auf den folgenden Kilometern der Helgelandskysten eher frische Temperaturen. Zudem lässt uns an diesem Sonntag das Wetter etwas im Stich und wir entschließen uns auf einem Supermarkt-Parkplatz bei Free-Wifi die Zeit etwas zu nutzen und den Blog voranzubringen. 

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Sonntag

Der Sonntag neigt sich also dem Ende und passend dazu lassen wir auch diesen Blog nun ausklingen. Jedoch nicht ohne einen kleinen Ausblick für ``den nächsten Sonntag`` zu geben. Denn während wir an diesem Sonntagabend noch einen sensationellen Spot auf der Inselgruppe Brønnøysund anfahren und von dort aus  einen gigantischen Blick auf den Schärengarten genießen, finden wir Online eine weitere Empfehlung eines einmaligen Ortes der den Namen Torghatten trägt. Das folgende Bild ist ein kleiner Vorgeschmack und Nein, dass loch in der Mitte des Berges ist keine Illusion sondern gute 35 Meter hoch, 20 Meter breit und über 120 Meter lang! 

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Mit diesem Loch im Berg verabschieden wir uns für heute und berichten dann nächste Woche ausführlicher von der Besichtigung dieses, von der Natur so einzigartig hervorgebrachten Ortes.

Dazu gehören dann auch einige spektakuläre Drohnenbilder die beim Durchfliegen dieses Berges entstanden sind…

Diese erwähne ich deswegen, weil sie mit meinem ersten Drohenen-Crash in Verbindung stehen! Dazu aber nächste Woche mehr und soviel sei verraten, es haben Alle den Crash überlebt…

Beste Grüße Alex, Max & Drohne 😉

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